LESUNG
   mit Katarina Jensen






                                                                                                






Freitag// 21. August 2026// 20 00//

Tickets 10€ - 30€// nach Selbsteinschätzung


„Vergessen Sie nie, dass Gedanken an den Tod oft in sexueller Verkleidung daherkommen. Sex ist der große Todesneutralisierer, die absolute, vitale Antithese zum Tod... Der französische Ausdruck für Orgasmus, la petite mort, der kleine Tod, bezeichnet den orgasmischen Verlust des Selbst, der den Schmerz des Getrenntseins beseitigt. Das einsame Ich verschwindet und verschmilzt zum Wir.“


- Irvin Yalom


LESEPROBE


Kapitel 1:

Er hat aus Frust und Übermut die älteste Lady angeklickt, die sich im Netz präsentiere.


Es ist ein lange gärender Prozess, bis sie den Mut findet, ihr Profil ins Netz zu stellen. Sie macht sich ein paar Jahre jünger. Siebzig-eine Schallmauer! Welcher junge Mann hat schon Lust auf eine alte Oma! „Das ist die Altersgruppe, die am schwierigsten zu vermiSeln ist“, kommt der Einwand. Sie lässt sich nicht abschrecken, sondern macht sich Gedanken über die Vorteile des Alters und Sex mit einer älteren Frau. Die Haut ist weich, die Muskulatur ist nach SchwangerschaYen griffig, keine Verhütung mehr.

Der Körper sollte genossen werden. Sie liebt ihre schlanken Lenden und ihre beweglichen Glieder.


Sie hatte ein so feines Leben, dass sie heute ein feines Alter hat. Privilegiert durch Wohlstand, Bildung, geistig-kulturellen Reichtum gelang es ihr, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Sie hatte den Mut, manchmal haarscharf bis an die existenzielle Grenze zu gehen.


Leben und Alter - dieses Paar schaue man sich mal näher an. Sollten Alter und „leben“ Widersprüche sein? Warum sind die Hau_alten einer alten Frau nicht bewunderungswürdig wie die Schönheit einer alten Baumrinde?


Welche Innigkeit, wenn sich die dreijährige Enkeltochter neben die Oma chillt, deren Hand nimmt, und fasziniert die zarte, ungepolsterte Haut des Handrückens hochzieht, fahren lässt, hochzieht, wieder loslässt, manchmal auch traktiert - „Tut das weh?“ - „Nein!“ - so lange, bis sie alles erforscht, jede Sehne erfühlt hat und entspannt in den Schlaf fällt.


Geht es im Alter wirklich nur noch mit langen Ärmeln und hochgeschlossenem Stehkragen?


Der erste Mann, der sie treffen will, spürt ihre Unsicherheit. Apropos Treffpunkt. Wo? Sie will ihn nicht gleich in ihre Wohnung einladen. Er scherzt, keine Angst, ich komme nicht mit der KeSensäge. Sie verabreden sich zu einem Theaterabend. Danach gehen sie zu ihr, essen zusammen und verabschieden sich. Es ist klar, dass da nix läuft.

Danach entscheidet sie sich, weitere Männer doch zu sich einzuladen. In case of emergency würde sie mit dem Besenstiel an die Decke klopfen und ihre Mitbewohnerin alarmieren.


Als nächster meldet sich ein Schamane, so nennt er sich, aus Hessen, und schickt ihr ein wunderschönes Foto von seiner nackten Rückenansicht. Die Band ihrer Kinder war gerade auf Tour in Hamburg. Als sie gemeinsam in ihrem Wohnzimmer chillen, zeigt die Tochter, die rührenderweise die Internetkontakte bearbeitet und „vorsortiert“, das Foto in die Runde. Das Gelächter ist groß. Das Foto inspiriert sie zu einer Piselotte.


Sie trifft ihn nie. Er schickt ihr nur seitenlange Briefe, die sie gewissenhaft beantwortet, bis seine Briefe so lang und belehrend werden, dass sie den Kontakt beendet. Was er mit oder von ihr wollte, weiß sie bis heute nicht.


Ein 44jähriger ehemaliger Rundfunksprecher aus München, mit betörender Stimme, entpuppt sich als Alkoholiker und Schnorrer. Sie fragt sich, wie es sein kann, dass ein gestandener Familienvater zu zittern beginnt, wenn er sie umarmt. Naiv wie sie ist -sie hat die menschlichen Abgründe nie kennengelernt- erzählt sie das ihrem Sohn. Der klärt sie auf, dass der Körper eines Alkoholikers nur zur Ruhe kommt, wenn er seine Dröhnung kriegt.


Sie lässt sich nicht entmutigen und wechselt das Portal. Dadurch kommt sie in Kontakt mit etlichen Männern aus Hamburg.


Was machst du mit einem fremden Kerl in deiner Wohnung, der Sex haben will? Auf diese Frage hat sie sich gut vorbereitet, nicht erst in dem Moment, als sie zu „daten“ erwog. So ist ihr klar, dass es nicht um das berühmte Kribbeln im Bauch geht, sondern um die Fusion zweier Körper. Schon immer ist für sie Sex das Tor zu Liebe und Beziehung.


Erst mal zusammensitzen und miteinander reden, die Dinge ansprechen, die für eine eventuelle sexuelle Begegnung wichtig sind: Was erwartest du? Ganz offen, damit Vertrauen entsteht.


Es kommt ein bildschöner, attraktiver junger Vater von zwei Kindern. Die Begegnung ist gut, aber sie sagt klar, dass sie ihn kein zweites Mal treffen wird, denn seine kleinen Kinder brauchen ihn.


Ein anderer Mann, der regelmäßig nach dem Job auf der Matte steht, um sich zu „entladen“: Keine Beziehung möglich. Sie denkt bei sich, er soll lieber eine Frau bezahlen.


Einen schönen, jungen Afghanen mit schulterlangen Haaren von blauschwarzem Glanz, Nachtwächter in einer Tiefgarage, trih sie drei Mal. Dann kommt er nicht wieder.


Bei einem älteren Mann mit unerträglichem Mundgeruch fasst sie sich ein Herz und bietet ihm ein „Fisherman`s Friends“ an. Hürde genommen, aber es läuft gar nix.


Da ist noch Oscar. Der Name und auch sein Äußeres gefallen ihr. In Wirklichkeit heißt er Heinz. Oscar ist sein Under-Cover-Name als Drogenfahnder. Der Drogenfahnder bei der Kifferin, haha. Ihre Teekräuter- er hält ein großes Einweckglas getrockneter Minze, was auf dem Tisch steht, für Marihuana - interessieren ihn scheint ́s nicht. Er fährt nachts Streife zu den Hotspots.


Als sie es miteinander probieren wollen - er hatte schon eine Erektionsschwäche erwähnt - kommt er mit einem Maschinchen daher. Ihr vergeht die Lust.


Dann ist da noch das M.I.N.T.-Männchen vom DESY, schmächtig von Gestalt, gestaut bis zur Halskrause und ein wenig verloren in der Welt, in die er sich nun vorgewagt hat. Eingefangen im Netz digitaler Hoffnung, kann sie ihn nicht „unverrichteter Dinge“ zurück nach Hause schicken. Er tut ihr leid. Ihr Gespräch geht über seinen Job, der sie interessiert. Zufällig steht einer ihrer Ölkreide-Akte, ein Liebespaar, neben ihm. Er schaut ihn wieder und wieder an und wird so erregt, dass sie ihn zu sich auf die Couch bittet. Sie spielt die Mama, öffnet seinen Gürtel, Hosenknopf und Reißverschluss und schon ergießt er sich.


Dann kommt er. Muso!


An amazing soul connection, a master of emancipated delicate sex, body expert, der Mann der feinen Worte.


Mehr von Katarina Jensen:

Instagram: katarina.jensen.piselotten

Facebook: katarina.jensen.16

Youtube: Katarina Jensen